Ein genauer statistischer Nachweis über die Erwerbsunfähigen unter den Salz­burgern liegt vom 1. September 1733 vor. Danach befanden sich in Lithauen 227 bresshafte oder presshafte Salzburger, 117 in den Städten, 110 in den Ämtern (in der Stadt Gumbinnen 4); die Verpflegung betrug für jede erwachsene Person 10 Taler, 45 Groschen, für die Kinder die Hälfte. Die Lithauische Deputation befürchtete, dass die Zahl der Unterstützungsbedürftigen bald auf 400 anlaufen könnte und regte deshalb abermals die Idee an, ein Salzburger Hospital zu gründen. Es war aber nicht des Königs Wille, das Geld hierzu lediglich aus eigener Tasche herzugeben, die Emi­grantenfonds sollten ebenfalls in Anspruch genommen werden; infolgedessen schleppte sich die Hospitalfrage noch eine Zeit in die Länge. Zwar wurde im Jahre 1735 durch Kabinettsordre der lithauischen Regierung nachgegeben, dass „in Gumbinnen ein doppeltes und in Darkehmen ein einfaches, von denen auf königliche Kosten erbauten, mehrenteils fertigen Häusern unentgeltlich eingeräumt werden, welche wir als Hospitäler dazu allergnädigst schenken. Ihr habt also danach das Nöthige vorläufig zu verfügen, insbesondere aber zu besorgen, daß in diesen zu Hospitälern geschenkten drei Häusern zu Gumbinnen und Darkehmen vorerst so viele presshafte Salzburger als möglich zur Verpflegung untergebracht werden".

Das war der Anfang der Hospitalgründung. Aber diese Schöpfung fristete zu­nächst ein kümmerliches Dasein; das Hauptaugenmerk des Königs musste für das erste besonders auf die Ansiedlung der gesunden Salzburger gerichtet sein. Erst im Jahre 1739 schien die Angelegenheit durch eifriges Bemühen des Emigranten-Predigers Breuer wieder in Fluss zu kommen, wie u. a. eine Verhandlung in Gumbinnen am 17. Dezember 1739 beweist.

„Damit das Werk nur einmal in Train komme", wurden 40 Hospitaliten in Gum­binnen angenommen, die zur Verpflegung monatlich 16 gute Groschen, also jährlich 8 Taler, erhielten; auch ein Prediger sollte für diese „theils Steinalten, theils ganz gebrechlichen Hospitaliten" mit einem Gehalt von 40 Talern angestellt werden. Der Landphysikus erhielt für etwaige Pflege jährlich 8 Taler; für Medizin 12 Taler, Rechnungsführer 10 Taler, Reparatur 10 Taler wird ein Etat auf 400 Taler fest­gesetzt. Fast umgehend erfolgte die königliche Genehmigung hierzu.

Diese Kabinettsorder wird für die eigentliche Fundationsurkunde angesehen und lautet:
„Friedrich Wilhelm usw. Unsere etc. Uns ist aus dem von Euch eingesandten Protokolle vom 17. Dezember jüngsthin vorgetragen worden, was Ihr wegen Unter­bringung der armen alten und presshaften Salzburger in das dortige Hospital mit dem Prediger Breuer zu Stallupönen verabredet habt und wie Ihr dieses Werk zum Anfange zu fassen gedenket. Nun finden Wir zwar, in Consideration des annoch ge­ringen Fonds der Interessengelder unnötig, einen eigenen Prediger mit 40 Talern zu salarieren, da sonder Zweifel einer der dortigen Stadt-Prediger, wie in unseren an­deren Städten in der gleichen Gelegenheit geschiehet, diese Arbeit vor der Hand und bis die Interessengelder sich vermehrt haben werden, vor ein Douceur von 12 Thaler jährlich gerne und willig übernehmen muß. Wie denn auch der dortige Land-Physikus die ersten Jahre über, wenn er eine Arzenei bezahlt bekommet, die übrige Mühe, weil es ein pium corpus betrifft, wohl umsonst thun wird. Was aber die übrigen im besagten Protocolle angeführte und verabredete Punkte anbelanget, so werden solche insgesammt von Uns hiemit in Gnaden approbiret und habt Ihr demnach nunmehro diese Sachen verabredeter Massen und wie hier oben erinnert worden, zu fassen, und daß solche fördersonnst zu Stande komme, pflichtmäßig zu besorgen."
Davon geschiehet usw.
Berlin, den 21. Jan. 1740."


Die Zahl der Hospitaliten stieg langsam; noch im Jahre 1740 wurden die Stellen um 10 vermehrt, zwei Jahre später war die Zahl von 50 bereits auf 80 Personen angewachsen, im folgenden Jahre werden 92 Verpflegte in den Rechnungen auf­geführt; im Jahre 1757 sind von 170 Verpflegten bereits ihrer 111 im Hospital, diese letztere Zahl erhob sich auf die Durchschnittszahl von 150 Hospitaliten.

Dieses Gedeihen des Hospitals stand selbstverständlich im Verhältnis zu dem Anwachsen der Salzburger Gelder, und diese wiederum flössen aus mehreren Rich­tungen zusammen.
 
Im Jahre 1778 bestand bereits ein erhebliches Kapital, aus dessen Zinsen die Armen verpflegt wurden. Friedrich der Große beschaffte außerdem von Erzbischof Sigismund Abfindungszahlungen aus Ansprüchen der Salzburger; ratenweise kamen 24.000 Taler ein. Auch dieses Geld wurde sofort auf Zinsen ausgetan. Inzwischen war das Kapital so angewachsen, dass die Zinsen nicht mehr verbraucht wurden. Es betrug in jener Zeit 126.996 Taler, 55 Groschen. Es wurden im Hospital, das ein Salzburger-Vorsteher verwaltete, den die Regierung ernannte, 244 Hospitaliten un­terhalten und außerhalb des Hospitals gegen 500 unterstützt. Das währte bis in die Zeit um 1806/07. Nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges gegen Napoleon wurde viel Geld gebraucht, und Beamte Schöns unterzogen im Jahre 1808 auch das Hospital einer genaueren Prüfung. Sie kamen zu dem Schlusse, dass die Gelder, für deren möglichst zweckmäßige Verwaltung die Regierung als natürliche Patronin zu sorgen sich berufen fühlte, nicht immer dem Sinne der Stiftung gemäß verwendet würden; sie fanden im Hospital Leute, die dessen gar nicht bedürftig waren; gerade­zu „wohlhabende" Leute erhielten durch Hospitalgelder „Geschenke", Leute, die recht wohl ihrerseits Arme unterstützen könnten. Bei einer nur einigermaßen ge­schickten Verwaltung der Hospitalgelder, des Kapitals und der Zinsen, könnten so­wohl die Interessen der Salzburger Kolonisten wahrgenommen, als auch allgemein nützliche, den Staat betreffende Einrichtungen getroffen werden.

Schön machte gegen die „angemaßten Rechte der s. g. Salzburger Colonie" ener­gisch Front. Er wollte außer den beiden städtischen Salzburger Schulen auch die 18 Salzburger Landschulen unterstützt sehen, von denen allerdings nur zwei aus­schließlich (die zu Pillupönen und die zu Szittkehmen), die anderen vorzugsweise von Salzburger Kindern besucht wurden. Das Gehalt der betreffenden Lehrer war so niedrig, wie es niedriger kaum gedacht werden konnte, von diesen Lehrern erhielten einige nur 25, viele sogar nur 15 Taler bares Geld.
 
Aber die Salzburger waren durchaus anderer Meinung als Schön, besonders der damalige Hospital-Vorsteher Lindtner. Er aktivierte einige Salzburger, die beim König gegen den Plan Schöns protestierten. Doch der König gab Schön recht. Es sollte eine Krankenanstalt errichtet werden, und die Unterstützung der Salzburger Schulen sollte durchgeführt werden. Allerdings gab es auf Grund der politischen Verhältnisse eine Verzögerung, die bis zum Ende der Befreiungskriege andauerte. In dieser Zeit war die Salzburger Anstalt überfüllt von russischen Verwundeten und wurde erst Ende 1813 wieder, samt der Kirche, gänzlich geräumt.

Von einer Anerkennung der Reform seitens der Salzburger war jedoch keine Rede. Im Jahre 1816 schließlich kam es zur Bildung einer Kommission, die das Hos­pital verwalten sollte. Sie bestand aus vier Mitgliedern der Salzburger Gemeinde und führte den Titel „Vorsteher der Salzburger Anstalt", und hatte bereits am 9. Januar 1816 ihre Funktion angetreten. Die feierliche Einweihung als neu ein­gerichtetes Krankenhaus fand am 25. Juli 1816 statt. Damit war jedoch der Kampf nicht beendet. Im Jahre 1817 schließlich gab der König nach, und das Hospital wurde wiederhergestellt. Damit war auch die Salzburger Kolonie wieder von höchster Stelle her anerkannt und zu Ehren gebracht. Schön fühlte sich gekränkt. Gleichzeitig erklärte der König noch zur Gehaltsverbesserung an den gelehrten Schulen in Tilsit und Gumbinnen für jede Anstalt 700 Taler bewilligen zu wollen.

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