Übersicht
Quelle: Gumbinnen von Dr. Grenz
 
Groß-Gauden (Groß-Gaudischkehmen): Kirchspiel Branden (Ischdaggen). Amtsbezirk und Standesamtsbezirk Branden (Ischdaggen). E.: 338. GH.: 1000,— RM. G.: 705 ha. —
 
Zweiklassige Volksschule, Neubau von 1926/27 (1927 fertiggestellt). 1925: Lehrer Kurt Paulikat und Lehrer i. R. Gottlieb Rohloff. 1937: Lehrer Franz Naujoks, Lehrer Fritz Reuter und Lehrer i. R. Gottlieb Rohloff. — Zweiklassige Schule bestand bis zur Vertreibung. Letzte Lehrer: 1. Jelinski und 2. Scharfenort. —
 
1937: Bürgermeister: Bauer Franz Paulat. —
 
Post: Kraupischkehmen über Insterburg 2 (16 km).
 
Landwirte: Julius Broßat, Hans Führer, August Lauschke, Landwirt und Rentner Gustav Marienberg, Landwirtswitwe Emma Meyer, Franz Meyer, Franz Paulat, Fritz Podschuweit, Ernst Rinn, Friedrich Schäfer, Gustav Schinz. —
 
Bauern: Emil John, Bauer a. D. Johann Schinz, Erich Schneppat.
 
Gutsbesitzer: Kurt Ganguin. —
 
Handwerker: Fleischermeister Fritz Augustin, Sattler Emil Ball, Sattler Samuel Ball, Schmiedegeselle Emil Broßat, Zimmerer Leo Broßat, Schneidermeister und Besitzer Willi Broßat, Tischlermeister Erich Dildey, Maurer Walter Marienberg, Tischlermeister Friedrich Massat, Schmiedemeister Erich Meyer, Stellmachermeister und Landwirt Fritz Pridschun, Schmiedemeister Ernst Scharmacher, Schneiderin Auguste Skerat. —
 
Weitere Berufe: Gastwirt Gerhard Bandoly, Freiarbeiter Erich Bildat, Freiarbeiter Wilhelm Bredau, Freiarbeiter Johann Feuersänger, Hausangestellte Marta Gendrich, Zahntechnikerin Elfriede Girod, Oberpostsekretär i. R. Julius Girod, Kraftfahrer Fritz Juschkeit, Gastwirt Karl Korte, Wirtschaftsgehilfe Hermann Malasch, Trichinenschauer Fritz Munier, Landwirtschaftlicher Gehilfe Fritz Schäfer, Freiarbeiter Franz Suchowitzke, Chausseewärter Gustav Waslowski. —
 
Untergeordnete landwirtschaftliche Berufe: Melker: Otto Hein, August Knapp, Willi Knapp, Wilhelm Skambraks, Gustav Stürmer (Obermelker), Theophil Troskowski. —
 
Deputanten: Heinrich Baltruschat, Fritz Becker, Herrmann Gebhardt, Friedrich Hartwich, Gustav Hohmeister, Ferdinand Hohnwald, Max Juschkeit, Ernst Marchand, Gustav Paulin, Johann Post, Arthur Schwarzien, Fritz Schweingruber, Karl Thomas, Franz Waltereit, Johann Weber, Emil Wolter, Otto Zander. —
 
Arbeiter: Karl Bildat, Franz Gerdewischke, Carl Hasenbein, Otto Hohnwald, Anna Juschkeit, Fritz Kuprat, Otto Lindenau, Fritz Mombrée, Hans Paulat, Heinrich Prusseit (Landarbeiter), Friedrich Romanowski, Wilhelmine Skerat, Artur Töpfer (Landarbeiter), Fritz Weber, Franz Weiß, Hermann Zibbar.
 
Besitzer Ferdinand Hoffmann. —
 
Sozialstatus: 1 Landwirtswitwe, 1 Kriegerwitwe, 1 Witwe, 4 Rentenempfänger, 1 Rentnerin, 4 Rentenempfängerinnen, 1 Altsitzerin, 2 Rentiers.—
 
1925: 3 Gutsbesitzer (Albert Ganguin, Franz Paulat, Otto Rinn), 14 Besitzer, 2 Kaufleute, 1 Sattler, 2 Schmiede, 1 Schneider, 1 Fleischer, 2 Stellmacher, 1 Tischler, 1 Kleinbesitzer, 1 Oberschweizer, 2 Melker, 2 Zimmerleute, 1 Schneiderin, 2 Rentner. —
 
Im Archiv der Kreisgemeinschaft Gumbinnen befindet sich 1 Ortsfragebogen von 1966, ausgefüllt von Schinz; dazu ein Beiblatt und 1 Plan des Ortes mit Eintragung der Gehöfte und ihrer Besitzer (38 Stellen).
 
Danach zuständiger Polizeiposten in Kubbein (Roppel).
 
Die beiden Gastwirtschaften von Korte und Bandoly unterhielten auch Kaufläden.
 
Ort liegt am Gaudischkabach. —
 
Im Ersten Weltkrieg 7, im Zweiten Weltkrieg 18 Gefallene.
 
4 Großbauern: Rinn, John, Paulat, Ganguin.—
 
10 Bauern: Schinz, Schäfer, Führer, Rohloff, Lauschke, Marienberg, Podszuweit, Erdmann, Meyer, Julius Broßat. —
 
Kleinbetriebe: Girod, Körte, Pirdszun, Dildey, Broszat Willi, Hohnwald, Feuersenger, Juschkeit, Hein, Munier, Bredau, Hoffmann, Schule, Augustin. —
 
Handwerksbetriebe: 2 Gastwirte, 1 Fleischer (Augustin), 1 Tischlerei (Dildey), 2 Schmieden (Meyer und Scharmacher), 1 Stellmacher (Pirdszun),  1 Schuhmacher (Munier), 2 Schneider (Willi Broszat und Frl. Skerat), 2 Zimmerleute (Julius und Leo Broszat), 1 Sattler und Tapezierer (Ball). —
 
Die Gemeinde hat wohl ihren Namen vom nahe gelegenen Gaudischka-Bach, der auf Litauisch mit Pferdetränke bezeichnet ist. Dieser Bach durchfloß früher die uralte Landstraße, die von Insterburg nach Gumbinnen führte. Sie verlief von Insterburg über Kamswiken, Simonischken, Pakallehnen, Szameitkehmen, Kraupischkehmen, Gaudischkehmen, Purwienen, Schilleningken, Stobricken, dann durch die Angerapp über Kampischkehmen nach Gumbinnen. Diese Angabe stammt aus Überlieferungen unserer Vorfahren.
 
Später um 1810 soll dann erst die Steinstraße (Chaussee) gebaut worden sein und führt heute von Insterburg über Groß-Gauden-Branden nach Gumbinnen. Es ist die Reichsstraße 1, die von der russischen Grenze: Eydtkau, Gumbinnen, Königsberg, Berlin, Hildesheim, Hameln bis nach Aachen verläuft. —
 
Brände im Ort: Aus Überlieferungen geht hervor, daß Groß-Gaudischkehmen einmal total abgebrannt ist, doch ist der Zeitpunkt nicht mehr bekannt. Zum anderen Mal ist die größere Hälfte abgebrannt. Das war gerade am 1. Ostertag 1849, als die meisten Leute in der Kirche in Ischdaggen (Branden) waren. Während der Predigt riß jemand die Kirchentür auf und rief hinein: „Gaudischkehmen brennt". Da stürmte alles hinaus, um zu löschen. Das Feuer war auf dem Schmiedegrundstück Matthée ausgebrochen. —
 
Im Januar 1945 brannte durch Kampfhandlungen fast die Hälfte des Dorfes ab.
 
Der letzte Amtsbezirksvorsteher Fritz Niklaus gibt folgende Beschreibung des Ortes für den letzten Zustand vor der Vertreibung:
Die Gemeinde hatte sehr guten Boden, verkehrsmäßig lag das Dorf gut, denn die Reichsstraße 1 führte durch die Gemeinde. Weiter war ein Zug der Freiwilligen Feuerwehr Branden (Ischdaggen) in Großgauden, allerdings war die Wehr hier nur mit einer Handdruckspritze ausgerüstet. Durch die Gemarkung Großgauden floß ein Bach mit Namen Gaudischkas (soll auf Litauisch Pferdetränke heißen). Von diesem Bach ist wahrscheinlich der frühere Dorfname Groß-Gaudischkehmen abzuleiten. Ferner waren 2 Kaufleute, 2 Schmiede-, 1 Schneidermeister, 1 Zimmermann und eine besonders gute Tischlerei vorhanden. Der Vorgänger vom jetzigen Inhaber Dildey, Friedrich Matzat, hat für die nähere und weitere Umgebung gute, massive Möbel hauptsächlich in Eiche und Esche hergestellt. Er hatte einen guten Ruf im ganzen Kreis.
 
Die Eigentümer und der Besitzumfang waren folgende: Schmiedemeister Franz Meyer 9,33 ha. Zimmerpolier Julius Broszat 6,00 ha. Schneidermeister Willy Broszat 0,88 ha. Tischlermeister Erich Dildey 0,50 ha. Bauer Hans Führer 25,00 ha. Bauer Kurt Ganguin 93,13 ha. Freiarbeiter Otto Hein 1,50 ha. Freiarbeiter Ferdinand Hohwald 1,25 ha. Pensionär Julius Girod 2,85 ha. Bauer August Lauschke 15,00 ha. Bauer Franz Paulat 105,00 ha. Bäuerin Charlotte Pirdszun 3,50 ha. Bauer Ernst Rinn 142,41 ha. Bauer Albert Schemionek 129,00 ha. Bauer Gustav Schinz 48,00 ha. Bäuerin Minna Schneppat 10,00 ha. Freiarbeiter Johann Feuersänger 1,00 ha. Freiarbeiter Ferdinand Hoffmann 3,00 ha. Kaufmann Karl Korte 1,00 ha. Freiarbeiter Max Juschkat 1,00 ha. Bauer Walter Marienberg 11,00 ha. Bauer Fritz Podszuweit 12,00 ha. Bauer Franz Rohloff 15,00 ha. Bauer Fritz Schäfer 51,00 ha. —
 
Im Oktober des Jahres 1937 verstarb in Gr. Gaudischkehmen im fast vollendeten 101. Lebensjahr Frau Helene Ball. Im vergangenen Jahr hatte sie zu ihrem 100. Geburtstag persönliche Glückwunschschreiben und Geschenke vom Reichskanzler und vom preußischen Ministerpräsidenten erhalten. (Der heimattreue Ost- und Westpreuße. 17. Jhg. Heft 11. Berlin, 1. November 1937, S. 254.) — Im vorangegangenen Jahre waren ihr eine kostbare Tasse aus der Berliner Porzellanmanufaktur, eine Geldgabe und ein persönliches Schreiben des Preußischen Ministerpräsidenten überreicht worden. (Der heimattreue O.- u. Westpr. 16. Jhg. Heft 12. Berlin. 1 .Dezember 1936, S. 235).

 

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